Le Thoureil Part 7 – der vierte Aufnahmetag

Da ich heute als erster aus den Federn war, ging ich duschen und zog mir eine von Stones Tabs durch die Nase. Irgendwie merkte ich nicht allzu viel, ich glaube da hat der Bandarzt gestern wieder masslos übertrieben und vergäbens Panik gemacht – von wegen Halluzinogen. Auch die anderen schienen davon nix zu merken, jedenfalls assen wir alle schweigend unsere Kornfleiks und wollten uns schüst unserem Kerngeschäft widmen als der Lehcim zur Tür reinkam.
Genau, Lehcim ist ja letzte Nacht im Krankenhaus gewesen wegen dieser Lebensmittelvergiftung! Wir waren alle ziemlich erleichtert, dass er wieder zurück ist. Nur, grosses Problem: Er hatte ein Arztzöignis dabei, das ihm untersagt hat Gitarrensoli zu spielen! Ausgerechnet höite, wo wir „Big Day Out“ programmiert und in der Mitte ein fünfunddreissigminuten Progressivtäil mit virtuosesten Gitarrensoli eingeplant hatten. Nun durfte der Lehcim von amzwegen keine Soli spielen, nur Rütmusgitarre und nur in D-dur, alle anderen Tonarten waren auf der schwarzen Liste des Arztzöignisses. Das war dann (so ganz nebenbei) unser nächstes Problem: „Big Day Out“ war in Es-moll vorgesehen!!! Wir mussten eine Spontanprobe einplanen. Zum Glück ist der Stone nicht nur ein hervorragender Scheffkoch, sondern auch ein guter Tonartdenker, wenn er die Tastatur vor Augen hat. Binnen weniger Minuten war der Song von Es-moll auf D-Dur umkomponiert. Zum Glück ist der Stone nicht nur ein hervorragender Scheffkoch, sondern auch ein guter Pragmatiker. Er schlug vor den Progressivteil einfach zu streichen, weil dies eh der Moment sei wo alle die CD auf Schnellvorlauf durchhören würden. Das war zwar einersäiz gut, anderersäiz verloren wir schon wieder wertvolle Zeit. Der Manuell hat durch sein Töifelstempo die Dauer des Wake up calls halbiert und nun strich der Stone eigenmächtig fünfunddräissig Minuten, oder war es das Arztzöignis des Lehcim? Spielt keine Rolle, jedenfalls war es mit unserm Vorhaben, ein Artrockkonzeptdoppelalbum zu schaffen, vorbei! Und auf dem Rockolümp werden wir uns damit höxtens einen Stehplatz in der zweithintersten Reihe sichern können!
…item, wir hatten keine Alternative! So wollten wir uns dann auch schüst unserem Kerngeschäft widmen, als wir merkten, dass der Dolby wieder nicht wach war. Jetzt weißt du wahrscheinlich, ein paar runden Sisasugg und keiner gibt nach und schliesslich doch der Stone, wegen Hellsangel etc. Nur dass diesmal, nachdem die Wasserkübel nix gnützt hatten wir den Dolby wieder hochstemmten und in die Luar reinschmissen, er aber unterging. Der Stone, nicht ein Turmspringer mit Eleganzhöxtnoten, aber ein Rettungsschwimmer wie der Mitsch Biugennon stürzte sich vom Balkon in die Luar, fischte den Dolby unter dem Arm raus und hängte ihn an den Füssen kopfüber an einen Baum. Weil wenn Füsse oben Blut im Kopf – frage nicht!
Und wie ich den Dolby da so friedlich hängen sah, fühlte ich mich plötzlich auch nach schlafen, ich legte mich hin und bekam so nicht viel mit vom Aufnahmetag.

Looping mach Schabernack, Wulprecht im Nacken

Looping mach Schabernack, Wulprecht im Nacken


Erst als mir sanft über die Stirn gestrichen wurde wachte ich auf. Neben mir stand Wulprecht und sagte ruhig ich wäre nun dran mit meinem Xangspart, die Jungs hätten ganze Arbeit geleistet und würden auf meine Stimme warten. Er reichte mir die Hand und führte mich die Treppe hinab ins Wohnzimmer wo ich immer meine Xangsparz einsinge. Der Weg führte uns vorbei an Looping, der gerade im Handstand die Treppe hochkam und an Gainsbourg der mit kalter Milch jonglierte. In der Regel trinke ich immer noch einen Schluck Tee vor dem Singen. Also bat ich den Wulprecht mich in die Küche zu begleiten vor den Aufnahmen. Leider war es sehr schwer in die Küche zu kommen, weil der Stone vor drei Tagen im Tschungel einen Elefant gebändigt hat, dem er jetzt das Elfenbein stopft um irgend so ein Gericht zu machen. Aber zum Glück war der Manuell gerade dabei ein Luftloch zu stopfen, eine seiner Lieblingsbeschäftigungen, nur dass er diesmal Neonlicht brauchte. Er schlüpfte also durch das Luftloch in die Küche und brachte mir Tee. Im Wohnzimmer ballerte dann der Lehcim mit seiner Gitarre auf das Gemälde von Wulprechtmensch von 13dings.
Mit der Gitarre auf Wulprecht ballern?

Mit der Gitarre auf Wulprecht ballern?


Ich hatte schon Angst, dass Wulprechtgeist neben mir erzürnen würde und die Situazion eskaliert. Der führte mich aber ruhig zum Mikrophon, legte mir die Hand auf die Schulter und sagte ich solle mich nun auf mein Kerngeschäft konzentrieren. Und schüst als ich mit dem Singen begann, zog ein Schwarm Cotylorhiza tuberculata vor dem Fenster vorbei, das sind Spiegeleiquallen. Da die in dieser Gegend nicht wirklich oft anzutreffen sind, wurde ich direkt inspiriert und mir glitten Worte aus dem Mund, die der Big Day Out noch nie zuvor gehört hatten. Aber ich fühlte mich so wohl, dass es einfach stimmte. Wahrscheinlich hatte auch der Mondsand am Boden damit zu tun. Dieser driftete langsam auseinander und machte einem grossen, dunklen Graben platz, in den ich nun fiel. Ich fiel und fiel viel zu viel, prallte auf dem Bett auf und neben mir sass der Bandarzt Dr. Looping, der mir Essigwickeln um die Füsse legte. Der Rest der Kapelle schien ziemlich besorgt zu sein, jedenfalls war Lehcim am weinen. Einzig Dolby war begäistert von meinem Xang, obwohl ich höite doch gar noch nicht gesungen hatte. Ich war so müde, dass ich einfach nur schlafen wollte.

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