Le Thoureil part 9 – das Ende des fünften Aufnahmetages

Lieber Leser, ich weiss nicht wie höifig du hier vorbeiguggen tust. Du musst dich jetzt nicht entschuldigen, denn schliesslich gehe ich unserem Aufnahmetagebuch ja auch nicht mit einer sorgfältigen Regelmässigkeit nach, es geht mehr um das uptodate. Weißt du in der höitigen Zeit wo es jede Sekunde siebenhundertachzig Feisbukprofile und nöintausend iphoneapps neu entstehen, muss man immer etwas aptudeit sein. Und gerade bei Flourish ist das bsonders wichtig. Denn die Kacke ist gerade ziemlich am dampfen!
Es ist Donnerstagmorgen, eine Sekunde nach 12. Der Dolby, unser Steuermann ist gerade umgefallen und liegt nun regungslos auf dem Boden. Ich will jetzt nicht die gruseligen Einzelhäiten berichten, aber es geht mehr um uptodate. Der Lehcim sitzt nebendran auf dem Stuhl und weint. Bandarzt Dr. Looping schlägt in seiner Bibel nach, Stone tätschelt sein Gesicht, Gainsbourg der Pragmatiker überlegt sich gerade wie man den Stuhl wieder aufstellen könnte ohne den Dolby nicht zu sehr zu bewegen und ich kann leider nicht helfen, weil ich das Tagebuch schreiben muss…

…aber wenn ich auch schnell meinen Senf dazu geben soll: Mir war von Anfang an klar, dass da etwas nicht stimmt. Ich wollte natürlich nix sagen, aber der Dolby, sonst ein Morgensportler hat bis jetzt immer verschlafen. Und zudem liegt er noch in der Tontechnikersuite. Also wir haben sie für ihn Tontechnikersuite genannt, eigentlich ist es das Schlafzimmer von Grandmaman Gainsbourg, wo einst der Wulprecht zu Lothringen ihr erlegen ist und seit dann seinen Geist in diesem Zimmer herumspuken lässt.
Und genau dieser Wulprecht hat ja am ersten Aufnahmetag auch gleich auf dem Kanal 13 von Dolbys Mischpult seine Töifelsbotschaften durchgegeben. Dolby hat dann einfach den Draht von Kanal 13 durchgeschnitten. Vielleicht kennstu ein wenig Okkultismus, ich hab keine Ahnung ausser, dass da so Dinge passieren wo man mengisch nicht genau erklären kann. Also hätte es ja auch sein können, dass der Geist von Kanal 13 beim Schnitt in Dolbys Blut gewandert ist.

Wulprecht im Spiegel?

Wulprecht im Spiegel?


Aber wir haben noch ganz andere Probleme, wir sind noch mittendrin den „Loire“ aufzunehmen und das Kapitel „umgefallener Tontechniker“ in der Bibel vom Bandarzt Dr. Looping hat fünfhundert Seiten, das könnte dauern bis Dolby da wieder auf den Beinen ist. Gainsbourg hatte zum Glück die Lösung. Wir nahmen einfach einen neuen Stuhl und liessen den alten unter dem Dolby liegen bis Looping das Heilmittel gefunden hat. Manuell hat dem Dolby ein wenig zugeschaut und kann jetzt selber die Knöpfe bedienen, also hat er das Kommando übernommen für die Aufnahme von „Loire“ und wie er das System aufgeschaltet hat, begann ein neuer Kanal zu spuken. Nämlich der Kanal sexhundertsexundsechzig! Eine Lampe tat blinken und uns fiel es wie Schuppen von den Augen. Bis jetzt hat Flourish für die Aufnahmen nur 665 Kanäle gebraucht und der sexhundertsexundsechzigste blieb liegen.
Manuell schob vorsichtig den Schieber vom Kanal nach oben und es erklang eine tiefe, düstere Stimme:
„Guten Abend ihr lärmendes Helvetiervolk! Darf ich mich vorstellen. Ich bin der Wulprecht zu Lothringen, 17hundertdings hab ich hier im Kampfe mit Grandmaman Gainsbourg die Herrschaft von diesem Zimmer übernommen (Anm. der Red.: Lügebold, er ist dabei ums Leben gekommen). Ich dulde keine Fremden in meinem Reich. Euer Kollege, der nun vor euch liegt, hat mich jede Nacht beläst…“KAWUMM!
Krachte es. Stone hat mit der Handkante direkt auf den Kanal sexhundertsexundsechzig vom Mischpult geschlagen. Nicht gerade ein Diplomat der Stone. Jetzt wussten wir ja nicht wies um den Dolby steht. Und um ganz ehrlich zu sein, waren wir etwas sauer auf den Stone.
Wir verknurrten den Stone mit seinen blossen Händen die verbleibenden 2100 Knoblizinngen wo er für das Brot morgen vorgesehen hättte zu zermantschen und einen Knoblibrei zu machen, den wir dann Dolby füttern wollten.
Stone hatte schon fast alles zerdrückt, als der Bandarzt Dr. Looping auf der vorletzten Seite vom Kapitel „umgefallener Tontechniker“ in seiner Bibel fündig wurde. Das Unterkapitel „Umfallen durch Geisterschock“ sagte nämlich, dass saure Gummibärli das beste Mittel gegen Geister sind. Aber auch dies würde das Problem nur temporär lösen. Wenn jemand nämlich umfalle, dann würde der Geist schon so tief sitzen, dass es zu lebenslanger Teilnahmslosigkeit führen würde und die Person ihre Identität verlöre. Der Dolby einfach so aufzugeben wäre schon schade, auch wenn der Manuell nun sich etwas auskennt, der Dolby hat schon noch so Qualitäten, wo man nicht einfach abguggen und selber lernen kann!
Aber das Buch bot auch hier eine Hilfe an: Man müsse dem Geist einfach jemand anders Opfern und dessen Seele verkaufen. Jetzt kannst du dir vorstellen: wir nahmen schnell den „Loire“ auf und spielten für den Rest vom Abend sisasugg. Denn niemand wollte wirklich freiwillig über die Klinge springen. Der Manuell hatte wahrscheinlich am meisten Ausdauer, denn die andern waren bereits im Kreis eingeschlafen als er noch „sisasugg“ rief. In der Mitte lag der totenbleiche Dolby und schlief tiefer als alle anderen.

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